Cottbus hat am Freitagabend (16. Januar 2026) ein starkes Zeichen gesetzt: Rund 800 Menschen versammelten sich in der Innenstadt, um ihre Solidarität mit dem alternativen Hausprojekt Zelle79 zu zeigen – und um sich entschieden gegen rechten Terror zu stellen. Unter dem Motto „Ihr greift uns an – Wir stehen zusammen.“ wurde laut, friedlich und vielfältig demonstriert. Der Anlass war ernst: Kurz vor dem Jahreswechsel hatte ein weiterer Anschlag das Projekt getroffen. Eine Explosion riss die Eingangstür aus den Angeln – bereits der dritte Angriff innerhalb weniger Monate.
Was viele nicht wissen: Die Zelle79 ist nicht einfach irgendein Haus. Sie ist ein fester Bestandteil der Cottbuser Stadtgesellschaft – ein selbstverwaltetes Wohn- und Kulturprojekt, das es bereits seit 1999 gibt. Damals entstand es aus einer Hausbesetzung und wurde schnell zu einem wichtigen Freiraum für alternative Jugendkultur, politische Bildung und gemeinschaftliches Leben. Heute gibt es dort nicht nur Wohnräume, sondern auch eine Werkstatt, einen Infoladen, eine offene Küche mit Bar und einen Projektraum. Regelmäßig finden Veranstcaltungen statt – zum Beispiel die beliebte „Küfa“ (Küche für alle), bei der gemeinsam gegessen und diskutiert wird.
Politisch versteht sich die Zelle79 als antifaschistisch, feministisch, solidarisch – und wird oft als Anlaufpunkt für verschiedene zivilgesellschaftliche Bewegungen beschrieben, etwa aus den Bereichen Klimagerechtigkeit, Antirassismus oder queere Communitys. Genau das macht sie seit Jahren immer wieder zur Zielscheibe rechter Angriffe – wie zuletzt Ende Dezember. Der Schock über die erneute Gewalt ist groß. Doch ebenso groß war am Freitag der gesellschaftliche Zusammenhalt.

„Diese riesige Solidarität aus Cottbus und anderen Städten gibt uns Kraft für die kommende Zeit“, sagte Ricarda Budke von der Initiative „Sichere Orte Südbrandenburg“. Die Organisator:innen hatten mit rund 300 Teilnehmenden gerechnet – am Ende kamen mehr als doppelt so viele. Die Redebeiträge kamen aus ganz unterschiedlichen Perspektiven: „Omas gegen Rechts“, Vertreter:innen der Zelle79, Geflüchteteninitiativen, Aktivist:innen, Studierende, ältere Bürger:innen – sie alle erinnerten daran, wie wichtig es ist, nicht zu schweigen, wenn Menschen und Räume, die für Vielfalt und Demokratie stehen, angegriffen werden.
In Cottbus wurde an diesem Abend deutlich: Antifaschismus ist keine Randmeinung – sondern gelebte Verantwortung. Die Zelle79 ist für viele mehr als nur ein Haus – sie steht für eine Vision, wie Miteinander aussehen kann: offen, kritisch, solidarisch. Die Demonstration war dafür ein eindrucksvolles Signal.



