Die Fähre Cottbus: Ein sicherer Hafen für den Weg ins eigene LebenFoto © Mathias Schulze

Manchmal fühlt sich das Leben an wie ein großes Durcheinander. Plötzlich steht man vor Dingen, auf die einen niemand vorbereitet hat. In der Schule lernt man vieles, Mathematik, Geschichte oder Fremdsprachen. Doch kaum jemand erklärt einem, wie man eine Hausrat- oder Haftpflichtversicherung abschließt, wie eine Betriebskostenabrechnung zu lesen ist oder worauf man achten sollte, wenn plötzlich eine hohe Nachzahlung im Raum steht.

Viele erinnern sich hundertprozentig noch gut an ihre erste Betriebskostenabrechnung. Zahlen, Begriffe wie Guthaben oder Nachzahlung – und das Gefühl, nicht genau zu wissen, was das jetzt alles bedeutet, geschweige was jetzt bezahlt werden muss oder eben nicht. Gerade heute, bei steigenden Kosten, können solche Schreiben schnell für schlaflose Nächte sorgen.

Auch andere Themen tauchen plötzlich im Alltag auf: Wie füllt man eigentlich einen Wohngeldantrag aus? Welche Rechte und Pflichten hat man bei der Agentur für Arbeit oder beim Jobcenter? Und was bedeuten all die Abkürzungen in Formularen und Briefen?

Für junge Menschen kann dieser Schritt in die Selbstständigkeit schnell überwältigend wirken. Und nicht selten hören sie dann Sätze aus dem Bekanntenkreis wie: „Früher mussten wir das auch alleine schaffen.“ Doch früher war früher – und heute ist heute. Die Zeiten haben sich verändert, gesellschaftlich wie wirtschaftlich.

Genau hier setzt das Projekt „Die Fähre“ in Cottbus an. Unter dem Motto „Steigt ein, wir kommen gemeinsam ans Ziel“ begleitet das Projekt Jugendliche und junge Erwachsene auf ihrem Weg in ein eigenständiges Leben.

Die Fähre versteht sich dabei ganz klar als sicherer Hafen – ein Ort, an dem junge Menschen ankommen dürfen, ohne bewertet oder verurteilt zu werden. Ein Ort, an dem Fragen gestellt werden sollen und absolut berechtigte Unsicherheiten ihren Platz haben. Hier kann jeder in seinem eigenen Tempo überlegen, wohin die Reise im Leben gehen soll – und wie man Schritt für Schritt dorthin gelangt.

Jeder kennts es, manchmal fehlt im Leben eben einfach der rote Faden. Und genau dann ist die Fähre da um ihn gemeinsam wiederzufinden oder neue Wege sichtbar zu machen um das eigene leben wieder schaukeln zu können.

Das Besondere an diesem Projekt ist, es richtet sich an junge Menschen zwischen 14 und 26 Jahren. Manche kommen zum ersten Mal mit Unterstützungsangeboten in Kontakt, andere haben bereits Erfahrungen mit der Jugendhilfe gemacht und stehen nun vor dem nächsten Schritt in ein eigenständiges Leben. Wieder andere merken erst nach einiger Zeit, dass dieser Schritt schwieriger ist als gedacht und wünschen sich mehr Orientierung im Leben.

Die Mitarbeiter der Fähre nehmen sich Zeit zuzuhören, Zusammenhänge zu erklären und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Es geht um ganz praktische Fragen des Alltags – von Wohnen und Arbeit bis hin zu Anträgen und Behörden. Gleichzeitig geht es aber auch um Selbstvertrauen, Perspektiven und darum, seinen eigenen Weg zu finden.

Ein wichtiges Ziel ist es, jungen Menschen stabile Wohnverhältnisse zu ermöglichen. Besonders für diejenigen, die von Wohnungslosigkeit bedroht oder betroffen sind, kann ein sicheres Zuhause ein entscheidender Schritt sein, um wieder Halt und Struktur im Leben zu finden.

Die Unterstützung findet dabei am Lebensalltag der jungen Menschen statt. Sie scheut sich nicht jumge Menschen wortwörtlich auch zu Terminen zu begleiten. Ein weiterer Vorteil ist ganz klar, dass die Fähre eng mit verschiedenen Einrichtungen und Partnern in Cottbus zusammen arbeitet – etwa mit dem Jugendamt, dem Jobcenter, der Agentur für Arbeit, Wohnungsgesellschaften oder anderen sozialen Projekten.

Die Fähre ist ein gemeinsames Projekt des Jugendhilfe Cottbus e.V. und der Jugendhilfe Cottbus gemeinnützigen GmbH. Gefördert wird es im Rahmen des Programms „JUGEND STÄRKEN: Brücken in die Eigenständigkeit“ durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie durch die Europäische Union über den Europäischen Sozialfonds Plus.

Doch hinter all den Programmen und Förderungen steht vor allem eine einfache Botschaft: Niemand muss harte Lebensphasen allein überstehen, hier trifft jeder auf Gehör.

Und manchmal braucht es eben einen sicheren Ort im Leben, an dem man einfach ankommen kann. Einen Hafen, von dem aus man seine Zukunft neu ansteuert.

Oder, wie es bei der Fähre heißt:
„Steigt ein – wir kommen gemeinsam ans Ziel.“

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