Rund 200n Krebse in Cottbus bei Stephan WeißflogFoto © Cottbus Daily (VL)

Ein Raum in Cottbus wirkt wie ein kleines Naturkundemuseum: Bei Stephan Weisflog tummeln sich rund 150 verschiedene Krebstiere aus aller Welt – von faszinierenden Tiefseearten bis zum massiven amerikanischen Riesenhummer. Doch eines der seltensten Exemplare erinnert an eine längst vergangene Zeit: Ein Flusskrebs jener Art, wie sie einst in der Spree zu Hause war. In freier Wildbahn ist diese Art in Cottbus heute nicht mehr zu finden. Doch in Stephans Sammlung kann man sie noch aus nächster Nähe bestaunen.

Die Leidenschaft begann früh: „Ich war vier, hab am See eine Häutung gefunden und mitgenommen“, erzählt der heute 44-Jährige. Seitdem lässt ihn die Faszination für Krustentiere nicht mehr los. In jahrelanger Feinarbeit hat er sich selbst beigebracht, wie man Krebse fachgerecht präpariert – mit Pinzette, Kleber, Bauschaum und einer großen Portion Geduld. Jeder Panzer wird vollständig entleert, getrocknet und anschließend originalgetreu zusammengesetzt.

Seine Sammlung ist international: Exotische Arten aus Japan, Brasilien oder Spanien stehen neben heimischen Krebsen. Besonders faszinierend findet er eine japanische Riesenkrabbe mit 1,80 Meter Spannweite, eine bunt gezeichnete Spinnenkrabbe aus Florida und einen Tiefseekrebs ohne Augen, der sich ausschließlich über Fühler orientiert. „Krebse sehen wehrhaft aus, sind aber meist total friedlich“, sagt Stephan. „Und einige können blitzschnell rückwärts schwimmen – das wissen viele gar nicht.“

Ein echtes Highlight seiner Sammlung: Ein Flusskrebs jener Art, wie er früher in der Lausitz vorkam. Durch eingeschleppte Arten und die sogenannte Krebspest wurde der einheimische Flusskrebs aus den Gewässern verdrängt. Heute ist er in Deutschland nur noch selten anzutreffen – und erinnert in Stephans Sammlung an ein Stück verlorene Naturgeschichte der Region.

Der Flusskrebs als Wappentier von Cottbus – warum eigentlich?
Seit über 600 Jahren ziert der Krebs das Stadtwappen von Cottbus – doch der genaue Ursprung ist bis heute ungeklärt. Das Stadtarchiv nennt mehrere mögliche Erklärungen:

Eine Theorie: In der Region lebten früher viele Flusskrebse, daher könnte das Tier als Symbol gewählt worden sein. Belegt ist das allerdings nicht. Eine zweite Annahme bezieht sich auf mittelalterliche Ritterrüstungen. Ihre beweglichen Brustharnische erinnerten an einen Krebspanzer. „Krebs“ war damals sogar ein gängiger Begriff dafür.

Am wahrscheinlichsten gilt jedoch, der Krebs stammt aus dem Wappen der Herren von Cottbus, einem fränkischen Adelsgeschlecht, das im Mittelalter die Region verwaltete. Ihr Familienwappen zeigte einen goldenen Krebs, der später ins Stadtwappen übernommen wurde.

Ein kurioses Detail, im Jahr 1946 wurde ernsthaft vorgeschlagen, den Krebs im Wappen durch eine Biene zu ersetzen. Zum Glück blieb es bei der Idee.

Fazit: Der Krebs steht bis heute für Wehrhaftigkeit, Stärke und Tradition – und ist längst fester Bestandteil der Cottbuser Identität.

Neben den Krebsen sammelt Stephan übrigens auch außergewöhnliche Schneckenhäuser, in allen Farben, Formen und Größen. Wer seine beeindruckende Sammlung einmal selbst sehen möchte, kann ihn direkt über seinen Instagram-Account kontaktieren: @krabbenkuenstler.

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