In der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus steht eine besondere Veranstaltung an, die einen differenzierten Blick auf die DDR-Vergangenheit wirft. Unter dem Titel „Wie aus Opfern Täter wurden“ geht es um Lebensgeschichten, die sich nicht eindeutig einordnen lassen – und genau deshalb zum Nachdenken anregen.
Im Mittelpunkt steht ein Vortrag von Peter Keup, der sich mit der sogenannten Systemkollaboration politischer Häftlinge beschäftigt. Dabei geht es um Menschen, die während ihrer Haft unter Druck gerieten und mit dem Ministerium für Staatssicherheit zusammenarbeiten mussten. Die Veranstaltung greift damit ein Thema auf, das lange im Schatten klarer Täter-Opfer-Bilder stand.
So wird es auch von Gedenkstättenleiterin Heide Schinowsky beschrieben: Gerade die Widersprüche in solchen Biografien machten deutlich, wie wichtig ein offener Austausch sei. Ziel ist es, Raum für Dialog zu schaffen und neue Perspektiven auf die Vergangenheit zu ermöglichen.
Bereits zuvor wird die Gedenkstätte zum Ort persönlicher Spurensuche. In Zusammenarbeit mit dem Stasi-Unterlagen-Archiv im Bundesarchiv können Besucher Einblick in Akten erhalten oder Fragen zu eigenen Familiengeschichten klären. Ergänzend wird eine Ausstellung eröffnet, die die Struktur und Arbeitsweise der Staatssicherheit verständlich erklärt.
Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei und richtet sich an alle Interessierten. Sie verbindet historische Aufarbeitung mit persönlichem Austausch – und zeigt, wie komplex Erinnerung sein kann.



